Ehrlichkeit
Ich sage auch das, was sich schlecht anhört.
Wer mich etwas fragt, bekommt eine Antwort und keinen Prospekt. Dazu gehört, Nachteile zu benennen, bevor jemand danach fragt. Und zu sagen, wenn ich etwas nicht weiß.
Eichstegen · Oberschwaben
Aufgewachsen in Thüringen,zu Hause in Oberschwaben.
Baujahr 1963, seit 1983 verheiratet, zwei erwachsene Söhne und vier Enkel. Dazwischen liegt ein Berufsweg, der 1990 einmal komplett von vorn begann und mir bis heute die wichtigste Lehre mitgegeben hat: Es zählt, ob man sich auf jemanden verlassen kann.

Zur Person
Ich bin in Thüringen groß geworden, in Ilmenau zur Schule gegangen und habe einen großen Teil meiner Jugend im Leistungssport verbracht. 1982 kam das Abitur, danach die Offiziershochschule, ab 1985 der Dienst als Berufssoldat. Das war der Plan, und der Plan war gut, bis er von einem Tag auf den anderen nicht mehr galt.
Die Wiedervereinigung hat vieles möglich gemacht und für uns erst einmal alles infrage gestellt. In meiner Heimat war keine Arbeit zu finden. Im April 1990 sind meine Frau, unsere beiden Jungs und ich deshalb nach Oberschwaben gezogen. Ohne Kontakte, ohne Netz, mit zwei kleinen Kindern. Meine Frau konnte als examinierte Krankenschwester weiterarbeiten, für mich hieß es: noch mal von vorn. Angefangen habe ich im Ersatzteilbereich eines Autohauses in Ravensburg.
Aus den Ersatzteilen wurde der Vertrieb, aus dem Vertrieb nach einem berufsbegleitenden Studium die Marketingleitung für drei Standorte. Neun Jahre in derselben Firma, jedes Jahr ein Stück weiter. Das waren die Jahre, in denen ich gelernt habe, wie man sich etwas erarbeitet, wenn einem nichts geschenkt wird. 2002 habe ich mich selbstständig gemacht.
Mein Vorsatz war von Anfang an: ehrlich, partnerschaftlich, bedarfsgerecht und vor allem langfristig.
Was ich in über zwanzig Jahren über Menschen gelernt habe, ist mir wichtiger als jede Fachprüfung. Die meisten wollen keine perfekte Lösung und schon gar keinen Vortrag. Sie wollen jemanden, der zuhört, der Dinge so lange erklärt, bis sie wirklich sitzen, und der auch dann noch ans Telefon geht, wenn es gerade unangenehm ist. Das ist keine besondere Kunst. Es machen nur erstaunlich wenige.
Mein Weg
Kein gerader Lebenslauf. Aber einer, der zeigt, dass sich Ausdauer auszahlt.
Aufgewachsen in Thüringen. Abitur mit Auszeichnung am Goethe-Gymnasium, daneben Leistungssport.
Offiziershochschule in Plauen und Suhl, Abschluss als Hochschul-Ingenieurökonom.
Fünf Jahre Verantwortung für Menschen, Material und Abläufe. Führen lernt man nicht im Seminar.
Umzug mit Frau und zwei Kindern nach Baden-Württemberg. Einstieg im Ersatzteilbereich eines Opel-Autohauses in Ravensburg, später im Vertrieb.
Berufsbegleitendes Studium an der AKAD Stuttgart, nach Feierabend und an den Wochenenden.
Verantwortung für drei Standorte in Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen.
Versicherungsfachmann (BWV), seit 2014 zusätzlich geprüfter Finanzanlagenfachmann (IHK).
Wissen und Qualifikationen
Jeder Abschluss auf dieser Liste ist neben einem vollen Arbeitstag entstanden. Das Marketingstudium habe ich zwei Jahre lang nach Feierabend und an den Wochenenden gemacht, mit zwei Kindern im Haus. Die späteren Prüfungen liefen genauso.
Weiterbildung ist für mich keine Pflichtübung, die man abhakt. Ich will verstehen, worüber ich rede, und ich will es jemandem erklären können, der noch nie davon gehört hat. Das geht nur, wenn man selbst tief genug drin steckt.
Haltung
Als wir 1990 in Oberschwaben ankamen, haben wir als Erstes ein Girokonto eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wurden wir mit allem Möglichen eingedeckt. Wir waren ahnungslos, unvorbereitet und haben unterschrieben. Erst Jahre später habe ich verstanden, was man uns da eigentlich verkauft hatte.
Diese Erfahrung erklärt vermutlich am besten, warum ich meinen Beruf so mache, wie ich ihn mache. Ich weiß ziemlich genau, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen und nichts zu verstehen. Das soll niemandem passieren, der mir gegenübersitzt.
Ich sage auch das, was sich schlecht anhört.
Wer mich etwas fragt, bekommt eine Antwort und keinen Prospekt. Dazu gehört, Nachteile zu benennen, bevor jemand danach fragt. Und zu sagen, wenn ich etwas nicht weiß.
Ich will der sein, den man anruft, nicht der, den man wegdrückt.
Ein Gespräch ist keine Gelegenheit. Wenn jemand nach einem Termin das Gefühl hat, ihm sei etwas untergeschoben worden, habe ich meinen Beruf verfehlt.
Wenn ich etwas zusage, ist es erledigt.
Auch dann, wenn es mehr Aufwand macht als gedacht. Termine, die stehen. Rückrufe, die kommen. Fristen, an die ich denke, wenn andere sie längst vergessen haben. Lauter Kleinigkeiten, die genau dann zählen, wenn es ernst wird.
Einzelteile ergeben noch kein Bild.
Ich habe mich immer eher als Allgemeinmediziner verstanden als als Spezialist für eine Sache. Erst die ganze Lage anschauen, dann überlegen, was wirklich dran ist. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Das Schwierige ist nicht das Aufzählen. Das Schwierige ist das Weglassen.
Man kann sich nicht gegen alles im Leben absichern, und man sollte es auch nicht versuchen. Genau deshalb schieben viele Entscheidungen vor sich her. Meine Aufgabe war immer, jemanden bis zu dem Punkt zu begleiten, an dem er selbst entscheiden kann.
Vertrauen entsteht nicht im ersten Gespräch, sondern im zehnten.
Viele Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, begleite ich seit zwanzig Jahren. Manche kenne ich länger als ihre Kinder. Auf so etwas kann man nicht hinarbeiten, das ergibt sich nur, wenn man lange genug dieselbe Haltung behält.
Warum ich das mache
Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der ein Handschlag mehr galt als ein Blatt Papier. Daran hat sich für mich nichts geändert. Wenn ich jemandem etwas zusage, dann steht das, ob es schriftlich festgehalten ist oder nicht.
Was mich an meiner Arbeit hält, ist nicht das Fachliche. Es ist der Moment, in dem jemand merkt, dass er die Sache nicht länger allein sortieren muss. Menschen kommen mit Fragen, bei denen es selten nur um Zahlen geht. Es geht um die Familie, um die Existenz, um die Frage, was eigentlich passiert, wenn etwas passiert. Wer dabei hilft, trägt Verantwortung. Ich habe das nie als Last empfunden, sondern als den eigentlichen Grund, morgens loszufahren.
Am meisten freut mich der Anruf nach Jahren, der mit „Henry, kannst du mal kurz …“ anfängt. Kein Termin, keine Förmlichkeit, einfach die Selbstverständlichkeit, dass da jemand ist. Wenn das passiert, habe ich meine Sache richtig gemacht.
Zuhause
Eichstegen ist ein kleiner Ort im Landkreis Ravensburg. Man kennt seine Nachbarn, man grüßt sich, und wenn jemand Hilfe braucht, spricht sich das schnell herum. Für uns war diese Gegend 1990 vollkommen fremd. Heute ist sie Heimat: Unsere Söhne sind hier groß geworden, unsere Enkel wachsen hier auf, und ich lebe inzwischen deutlich länger in Oberschwaben als in Thüringen.
Ich bin gern unterwegs zwischen Federsee, Allgäu und Bodensee. Die Wege kenne ich, die Leute meistens auch. Genau das schätze ich hier: Man ist keine Nummer, sondern jemand, den man beim Namen kennt.
Kein Hotel, kein Programm. Stellplatz suchen, Stuhl rausstellen, schauen, was der Tag bringt. Am liebsten dort, wo abends nichts mehr los ist außer dem Wetter.
Ein Roller aus Suhl, gebaut ein paar Kilometer von dort, wo ich groß geworden bin. Sie läuft, sie klingt wie früher, und wenn sie es mal nicht tut, repariert man sie selbst. Genau deshalb mag ich sie.
Oberschwaben hat mehr zu bieten, als die meisten denken. Moor, Wald, Seen, und zwischendurch die Alpen am Horizont. Ich brauche das, um den Kopf freizubekommen.
Meine Frau und ich sind seit 1983 verheiratet. Und wenn die Söhne mit den vier Enkeln da sind, ist es laut, voll und genau richtig.
Kontakt
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Bei mir gilt das Du. Wenn dir das Sie lieber ist, ist mir das genauso recht.